„Wir können jedes Spiel gewinnen – egal mit welchen elf Spielern“

7 Fragen an… Alessandro Felder.
Mit erst 24 Jahren hat Alessandro Felder mit dem Sportclub Zollikon bereits einiges erreicht: Als Captain führte er die 1. Mannschaft vom Tabellenmittelfeld der 4. Liga an die Ranglistenspitze der 3. Liga. Fünf Runden vor Saisonende sind die Chancen intakt, dass der SCZ im kommenden August erstmals seit 22 Jahren Spiele in der regionalen 2. Liga austragen kann.
Im Interview erläutert Felder die Gründe für den Zolliker Aufschwung, formuliert seine Wünsche, falls es tatsächlich mit dem Aufstieg klappen sollte, und zeigt sich ausgesprochen selbstkritisch. Für die Zukunft erwartet er von sich und seinen Mitspielern noch mehr: „Ich finde nicht, dass wir in dieser Saison besonders gut Fussball gespielt haben“, sagt er. „Das können wir eigentlich viel besser.“

Mit Alessandro Felder sprach Dennis Bühler

 

Fünf Spiele vor Saisonende liegt der SCZ an der Tabellenspitze der 3. Liga, der Aufstieg in die 2. Liga regional ist in Griffweite. Du spielst jetzt seit fünf Jahren in der 1. Mannschaft. Hättest du dir, als du von den A-Junioren ins Fanionteam aufgestiegen bist, vorstellen können, mit dem SCZ nach relativ kurzer Zeit solche Höhenflüge zu feiern?

Ich konnte mir den Aufstieg in die 3. Liga vorstellen. Ich kam damals mit drei, vier Gleichaltrigen in die erste Mannschaft und brannte darauf, meine fussballerischen Fähigkeiten auf einem höheren Level unter Beweis zu stellen. Für uns war dieser Aufstieg das grosse Ziel, über alles andere machten wir uns keine Gedanken. Ich hätte damals aber nicht geglaubt, dass ich je mit meinem Team um den Aufstieg in die 2. Liga mitspielen würde. Aber ich geniesse es jetzt, ein Teil dieses Teams zu sein.

Welches sind die Gründe für den Aufschwung, den der SCZ seit rund drei Jahren erlebt?

Für mich ist es hauptsächlich eine Kombination zweier Gründe. Erstens funktioniert das Vereinsleben sehr gut. Es besteht ein guter Austausch zwischen den drei Aktivmannschaften und den ältesten Junioren, viele Aktivspieler und auch A-Junioren sind als Juniorentrainer oder im Vorstand tätig und betreiben einen hohen Aufwand für den SCZ, die Atmosphäre auf dem Riet an den Wochenenden ist familiär und herzlich. Zweitens steht uns mit dem Kunstrasen eine sehr gute Infrastruktur zur Verfügung, die es uns erlaubt, bei jeder Witterung optimal zu trainieren, was für unseren Erfolg ausschlaggebend ist. Diesen Faktoren müssen wir weiterhin Sorge tragen.

Die diesjährige 3.-Liga-Gruppe ist enorm ausgeglichen. Erst mit dem Sieg im Derby gegen den FC Küsnacht vor zehn Tagen hat sich der SCZ den Klassenerhalt definitiv gesichert, auch wenn er realistischerweise schon vorher feststand. Wie schätzt du die Zolliker Leistungen in dieser Saison ein?

Ich schätze die kämpferische Leistung und die Entschlossenheit, mit der wir in die Spiele gehen, sehr, sehr hoch ein. Wir wissen, dass uns auf dem Platz nie etwas geschenkt wird. Zudem haben wir es in der Rückrunde fast immer irgendwie hingekriegt, das eine Tor mehr zu schiessen als der Gegner. Der 4:2-Derbysieg gegen Küsnacht nach einem 0:2-Rückstand zur Halbzeitpause war eine besondere Genugtuung für uns und hat gezeigt, dass wir nie aufgeben. Ich finde aber nicht, dass wir in dieser Saison besonders gut Fussball gespielt haben. Das können wir eigentlich viel besser.

In der Vorrunde gewann der SCZ in elf Spielen 19 Punkte, in der Rückrunde sind es in sechs Spielen bereits 15 Punkte. Wie viele Zähler, glaubst du, müssen in den verbleibenden fünf Runden noch gewonnen werden, damit der SCZ erstmals seit 22 Jahren wieder in der 2. Liga spielt? Und welche Gegner schätzt du im Aufstiegsrennen als besonders gefährlich ein?

Ich interessiere mich nicht dafür, wie viele Punkte wir noch für den Aufstieg brauchen, das wird sich Spiel für Spiel zeigen. Wir wollen sowieso jedes Spiel gewinnen, und das fängt am Sonntag gegen Racing Zürich an. Wir müssen gegenüber allen Gegnern in dieser Liga grossen Respekt zeigen, die Mannschaften dieser Liga waren nicht umsonst lange Zeit so nahe beisammen. Ich denke, es ist klar, dass der FC Männedorf und YF Juventus neben uns die besten Anwärter auf den Aufstieg sind.

Führt als Captain jeweils sein Team anDie grosse Qualität der 1. Mannschaft ist deren Breite. Fast alle Positionen sind doppelt besetzt. Sind Stammspieler wie Goalie Benjamin Niederhauser oder Verteidiger Tomas Hermida während Wochen oder Monaten verletzt oder weilen gesetzte Spieler wie dein Bruder Matteo oder Sandro Camichel längere Zeit im Ausland, springen andere in die Bresche. Ist dies ein wichtiger Erfolgsfaktor und ein Unterschied im Vergleich dazu, wie sich das Fanionteam in früheren Jahren präsentiert hat?

Das ist ein enorm wichtiger Erfolgsfaktor, nicht nur, weil er den Konkurrenzkampf innerhalb des Teams stärkt, sondern auch, weil alle wissen, dass wir jedes Spiel gewinnen können, wenn wir unsere Leistung zeigen, egal welche elf Spieler auf dem Platz stehen. Durch diese Erkenntnis gehen wir immer sehr selbstsicher in unsere Spiele. Ich bin sehr beeindruckt davon, wie das Team mit den genannten Absenzen umgegangen ist.

Du selbst hast, scheint mir, im Herbst bessere Leistungen gezeigt als bisher im Frühling. Teilst du diese Beobachtung? Und ist ein Grund möglicherweise, dass dir dein kongenialer Bruder Matteo im zentralen Mittelfeld fehlt, ein Spieler, mit dem du dich blind verstehst?

Ich teile diese Meinung allerdings, ich bin überhaupt nicht zufrieden mit meinen Leistungen bisher. Die Abwesenheit von Matteo mag ein Faktor sein, ein anderer ist vielleicht, dass ich momentan sehr mit meiner Masterarbeit beschäftigt bin. Ich mache mir aber möglichst wenig Gedanken darüber, und versuche mich einfach darauf zu konzentrieren, so gut wie möglich zu trainieren. Ich komme bestimmt wieder in Form.

Falls der SCZ in die 2. Liga aufsteigen sollte: Was müsste verändert werden, damit die Mannschaft auch in der höheren Spielklasse konkurrenzfähig wäre?

Das werden sich Trainer und Vorstand überlegen, falls es so weit kommt. Was mir sehr am Herzen liegt, ist, dass der SCZ seinen Fokus auf seine Juniorenabteilung richtet und damit stark im Gemeindeleben verankert bleibt. Das sollte in meinen Augen so bleiben, ob wir aufsteigen oder nicht.

 

Steckbrief

* Geburtsdatum: 22. November 1988

* Beruf/Studium: Rechnergestützte Wissenschaften

* Übernamen: Ale, Zwiible              

* Bevorzugte Spielfeldposition: Defensives Mittelfeld

* Trikotnummer: 6

* Stärken: Stellungsspiel, Spielaufbau

* Schwächen: Schnelligkeit, Schuss

* Lieblingsvereine: SCZ, FC Locarno, Manchester United

* Vorbild (als Spieler): Ole Gunnar Solskjaer

* Bisherige Vereine: SCZ

* Trainertätigkeit: Ea

* Auf diesem Tabellenrang klassiert sich die 1. Mannschaft des SCZ zum Ende dieser Saison: 1.