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Neujahrsansprache von Ferry Hermida, Präsident Sportclub Zollikon

Liebe Mitglieder und Freunde des SCZ

Für unseren Verein geht ein ereignisreiches Jahr zu Ende. Deshalb möchte ich die Gelegenheit nutzen, einen Jahresrückblick zu schreiben und vor allem auch ein Dankeschön auszusprechen.

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Ferry Hermida

Fairplay – die Erste

Vor etwas mehr als einem Jahr durfte der Sportclub Zollikon an der Gala des FVRZ (Fussballverband Region Zürich) den dritten Preis in der Fairnesswertung der Saison 2016/17 abholen. Es war die zweite Auszeichnung dieser Art, nachdem in der Saison 2009/10 bereits ein zweiter Platz erreicht worden war. Wenn man die Podeste aller Fairplaywertungen anschaut, trifft man dort mehrere Vereine immer und immer wieder an. An unserer letzten Generalversammlung habe ich darauf hingewiesen, dass es schön wäre, als Verein zumindest ein bisschen in diese Richtung zu gehen, ein vorbildlicher, fairer Verein zu sein. Dies, weil wir uns, sprich: dem Verein gegenüber eine gewisse Verantwortung haben, aber auch gegenüber der Gemeinde, den Eltern und der Bevölkerung im Allgemeinen.

In der vergangenen Saison haben wir dieses inoffizielle Ziel leider klar verpasst. Kurz nach meiner Ansprache an der GV fanden Trainingsspiele für die Rückrunde statt – und schon da kassierte ein Team, welches in die Wertung fällt, eine rote Karte. Damit verbunden begann auch meine ungewollte «Brieffreundschaft» mit dem Fussballverband, dem ich in den vergangenen Monaten vermehrt Stellungnahmen zu Ereignissen negativer Art zukommen lassen musste. Und dies, obwohl der SCZ traditionell nicht eigentlich als unfairer Verein gilt.

Teamfoto 1. Mannschaft zugeschnittenDie Aktiven

Dies war also eines der Lowlights im Jahr 2018. Ein weiteres ist, dass unsere erste Mannschaft nach vielen Jahren in der oberen Tabellenhälfte der 3. Liga nun plötzlich im Abstiegskampf steckt. Die Mannschaft hat es in der Vorrunde der laufenden Spielzeit nicht geschafft, Punkte einzufahren, welche man in den vergangenen Saisons noch geholt hätte. In vielen Spielen steckte einfach der Wurm drin. Hoffnung macht mir aber, dass sich die Mannschaft unter Wert verkauft hat und ausserdem immer wieder Absenzen an Spielen verzeichnen musste, die Kontinuität erschwerten. Das Team gehört eigentlich nicht auf diesen Tabellenrang und deswegen bin ich guten Mutes, dass wir uns in der Rückrunde schnellstmöglich von den Abstiegsplätzen absetzen. Jungs, nutzt den Winter, um euch fit zu machen / zu halten und gebt Vollgas!

sc-zollikon-zwei-sieg-gegen-ruetiEtwas besser erging es unserer zweiten Mannschaft, die sich mit einem neuen Trainergespann (Angel Lucio, Nicolas Girod, Ivo Dugandzic) nach einem schlechten Startspiel im oberen Tabellendrittel etablieren konnte. Ein Kurz-Trainingslager in Madrid – inklusive Besuch des Santiago Bernabeu und evtl. sogar des Trainingsgeländes von Real Madrid – soll dazu beitragen, in der Rückrunde noch einige Plätze gutzumachen. Die Reise nach Madrid kommt aber nicht etwa zu Stande, weil sich Spieler der zweiten Mannschaft während der letzten Sommerferienwoche im Real-Madrid-Camp auf dem Riet gegen die vielen jungen Teilnehmer durchgesetzt hätten. Damit hat die Expedition des «Zwei» nichts zu tun.

Das Real-Madrid-Camp auf dem Riet war eine der positiven Erfahrungen dieses Jahres und wir hoffen, dass wir auch in den kommenden Sommerferien wieder mit dem Rekord-Champions-League-Sieger zusammenarbeiten dürfen.

3. Mannschaft vor GurkenspielDas «Gurken-Spiel»

Unser «Drü» hingegen ist verheissungsvoll in die Saison 2018/19 gestartet. Doch leider kam nach einem Sieg im ersten Spiel kein einziger Punkt mehr auf das Konto. Das muss allerdings niemanden im Verein beunruhigen, hat sich doch gezeigt, dass sportlicher Misserfolg manchmal auch zu einem unvergesslichen Erlebnis führen kann. In der vergangenen Saison war es der 3. Mannschaft «leider» gegönnt, das punktemässig zweitschlechteste Team der Nation zu sein. Doch «glücklicherweise» stimmte bei dieser Platzierung das Timing. Die Zeitung «Blick» hatte nämlich die Idee gehabt, die beiden schlechtesten Teams der 5. Liga in einem «Gurken-Spiel» gegeneinander antreten zu lassen.

Unser «Drü» wurde über mehrere Tage im «Blick» portraitiert. Auf dessen Homepage wurden Video-Packages mit unseren Spielern hochgeladen und Urs «Longo» Schönenberger leitete im strömenden Regen eine Trainingseinheit auf dem Riet. Der ehemalige Champions-League-Trainer (mit dem FC Thun) hatte dabei einen Sieg der Zolliker im Spiel gegen Ersigen vorausgesagt. Doch unser Team unterlag – von Nervosität gezeichnet – im Challenge-League-Stadion des FC Wohlen gegen Ersigen mit 0:2.

sc-zollikon-dritte-mannschaft-gurkenspielAlles in allem schienen die Gegner besser vorbereitet zu sein und mit dem Druck eher klar zu kommen. Mit Fans und Anhang fuhr die Mannschaft in einem gemieteten Car auf das Sportgelände, während von Zolliker Seite noch niemand zu sehen war, von ein paar Zuschauern mal abgesehen. Als die ersten Zolliker Spieler zwanzig Minuten nach dem Car eintrafen, steckten andere noch immer im Stau – mitsamt den Trikots. Und die Getränkeflaschen fanden gar nicht erst den Weg in die «Niedermatten».

Als sich schliesslich doch noch alle Spieler rechtzeitig umgezogen hatten, folgte der Weg von der Kabine ins Stadion, die ersten Schritte und Pässe auf Halbprofi-Terrain, die sich füllenden Plätze auf der Tribüne – allen voran Wendy (!) –, laute Musik und Kommentare des Speakers aus der Lautsprecheranlage, Luigi Ponte als Schiedsrichter und dann noch die Fernsehkameras (das Spiel wurde live gestreamt!). War das zu viel für unsere Kicker?

sc-zollikon-gurkenspiel-bild-interviewMit einer extra für dieses Spiel angepassten Aufstellung und Taktik überstand das Team die Anfangsminuten ohne grössere Probleme. Es übernahm sogar das Zepter und verzeichnete die erste grössere Torchance. Leider ging es nach der Startviertelstunde aber bergab. Mit einem Rückstand ging man in die Pause und schaffte es nicht mehr, ins Spiel zu finden. Mit dem zweiten Gegentor war auch die Siegprämie über 500 Franken weg! Was aber bleibt, ist der spektakuläre Anlass und dass man sich dank des Rummels im Vorfeld und im Stadion einmal wie ein Profi fühlen durfte.

Schweizweite Medienpräsenz

sc-zollikon-telezueriUnd mit den Spielern des «Drü» hat auch der ganze Verein ein bisschen am Profi-Fussball schnuppern dürfen. Allgemein hat der SC Zollikon in den vergangenen anderthalb Jahren einiges an Medienpräsenz gehabt, nicht nur dank des «Blick-Gurken-Spiels». Nebst der normalen Berichterstattung der Spiele in den lokalen und regionalen Zeitungen sowie auf Regionalfussball-Portalen kamen heuer auch etwas grössere Namen auf den SCZ zu sprechen:

Grosses Dankeschön!

Das Thema Trainersuche verhilft mir zum wichtigsten Übergang meines Berichts, nämlich dem in die Juniorenabteilung. Hier hat sich dieses Jahr ebenfalls einiges getan. Dank der oben erwähnten Methode sind heuer so viele Helfer gefunden worden, dass wir einerseits neue Mannschaften bilden, andererseits aber auch unsere G-Juniorenmannschaften in einen grossen G-Junioren-Pool umwandeln konnten. Viele unserer Trainer sind Eltern von Juniorinnen und Junioren und helfen mit, den vor einigen Jahren entstandenen SCZ-internen Begriff der «La Familia» weiterleben zu lassen.

IMG_3112Dieser Bericht ist eine gute Gelegenheit, um denjenigen Menschen, die unseren Verein unterstützen, wieder einmal danke zu sagen. Ohne euch könnten wir nicht einer der grössten und wichtigsten Vereine im Dorf sein; ohne euch könnten wir die Jugend nicht fördern, sie nicht in einem klugen und gesunden Hobby begleiten. Ich danke euch allen für jede Minute, die ihr in den Verein und in die Jugend steckt. Und es ist mir wichtig, dass der Dank allen Trainern und Helfern gleichermassen gilt.

Manchmal kann man in einem Sportverein nämlich das Gefühl bekommen, dass Trainern und Teams mit (grösserem) sportlichem Erfolg auch grösserer Dank oder Lob gebührt. Das sehe ich jedoch anders. In einem Verein kann eine Mannschaft allein keinen sportlichen Erfolg haben, wenn nicht auch noch andere Faktoren richtig funktionieren. Und im SCZ haben wir im Moment Glück. Vielleicht funktionieren einige dieser Faktoren noch nicht perfekt, aber viele funktionieren schon gut. Um uns weiter zu verbessern werden neue Strukturen und mehr HelferInnen nötig sein. Wir sind in den vergangenen Jahren extrem gewachsen und konnten diesem Wachstum mit der Anzahl HelferInnen nicht immer gerecht werden. Allerdings bringen die bereits vorhandenen HelferInnen viel Einsatz und machen eine gute Arbeit. Diese kann sich in guten sportlichen Resultaten oder aber auch im Lächeln und der Freude der Kinder beim simplen Kicken eines Balls wiederspiegeln.

Grümpi und SchüeliDeshalb möchte ich allen TrainerInnen und SpielerInnen noch einmal sagen, dass der SC Zollikon in erster Linie möglichst vielen fussballfreudigen Kids und Erwachsenen die Möglichkeit geben will, ihrem Hobby nachzukommen. Das klappt bei uns – sofern wir in Zukunft weiterhin genügend Trainingsmöglichkeiten haben sollten – ziemlich gut. Unser Erfolg ist vor allem die Freude am Sport und die Zusammengehörigkeit. Unser Erfolg ist es, etwas Gutes für sich selbst und für die Gesellschaft zu tun. Und Fairplay oder Fairness ist Bestandteil davon. Deswegen habe ich meinen Bericht mit diesem Thema begonnen.

Fairplay – die Zweite

Im vergangenen Jahr haben Bilder und Berichte von gewalttätigen Fans rund um Fussballspiele übermässig viel Platz in den Medien eingenommen. Traurig stimmt mich, dass diese Gewalt offenbar auch von den Fussballstadien weg in normale Alltagssituationen schwappt, zum Teil auch auf unsere Sportplätze und in unserem Fall auch aufs «Riet». Dort wurden in der Vergangenheit mehrmals Trainingsmaterialien und Restaurant-Einrichtung mutwillig zerstört. Unsere Spielerkabinen mussten repariert, kaputte Tore ersetzt werden. Wendy stand vermehrt im Kontakt mit der Polizei.

sc-zollikon-da-junioren-bodenseepokal-3Und leider erleben wir an unseren Spielen auch Situationen, in denen sich Zuschauer und Vereinsmitglieder nicht immer so verhalten, wie es der Sport eigentlich verlangt: nämlich FAIR – sei das mit Worten oder mit Taten. Darum rufe ich zumindest alle unsere Mitglieder auf, den SCZ fairer zu machen. Jedes Mitglied soll versuchen, gegenüber den MitspielerInnen, den GegnerInnen, den TrainerInnen, den SchiedsrichterInnen, den ZuschauerInnen und allen, die mit dem Sport zu tun haben, fair oder fairer zu sein.

Denn: Sport ist in erster Linie ein Messen der Kräfte, respektive des Talents oder des Könnens. Aber jede Sportart hat Spielregeln, die eingehalten werden sollen. Ich hoffe, der SC Zollikon übernimmt hier noch eine grössere Vorbildfunktion als bisher und spielt respektive verhält sich möglichst immer nach den Regeln.

Zum Schluss möchte ich aber doch auch zu den grossartigen sportlichen Leistungen gratulieren, die durch unsere Mannschaften und an unseren Anlässen erbracht wurden. Über unsere Junioren wurde in den vergangenen Tagen und Wochen bereits auf unserer Homepage und in den Social Media berichtet. Es ist beachtlich, wie gut in den vergangenen Jahren in der Juniorenabteilung gearbeitet wurde! Weiter so!

Ea-Junioren TurniersiegIch hoffe, dass unsere Teams im neuen Jahr an die erzielten Erfolge anknüpfen können. Aber noch mehr hoffe ich, dass unsere JuniorInnen im SCZ einen Ort gefunden haben, an dem sie sich wohl fühlen und den sie bis ins hohe Alter nicht verlassen möchten. Nur so ist gewährleistet, dass sich JuniorInnen oder SpielerInnen später auch einmal ehrenamtlich betätigen und unsere Anlässe koordinieren, in den Trainingsbetrieb einsteigen oder den Vorstand unterstützen. Ich bin froh, tun in unseren OKs so viele engagierte Personen mit, die uns erneut ein tolles Grümpi/Schüeli und ein wunderbares Weihnachtsturnier bescherten sowie weitere Anlässe organisierten (bspw. die Altpapiersammlung oder den Sponsorenlauf, der im kommenden Frühling zum nächsten Mal durchgeführt werden wird). Auch euch gebührt ein grosses Dankeschön!

Zu guter Letzt danke ich auch noch allen Personen, die uns an Spielen oder im finanziellen Bereich unterstützen. Es ist selbstredend, dass diese beiden Faktoren das Leben eines Vereins vereinfachen. Wir hoffen, wir dürfen weiterhin auf euch zählen!

Nun wünsche ich aber allen Mitgliedern und Freunden des SC Zollikon einen schönen Jahresabschluss. Und ein frohes und gesundes 2019!

Ferry Hermida

Präsident SC Zollikon